Dienstag 13. November 2018


Es gibt noch andere Werte als die Arbeit

Ein Artikel von Markus Hofer


Männer sterben im Schnitt immer noch sechs Jahre vor den Frauen und diese Tatsache hat zweifellos auch damit zu tun, wie Männer ihr Mannsein leben. Fit sein ist das eine, heil sein im spirituellen Sinn das andere. Die Vision des achtzigjährigen, hochpotenten Waschbrettbauchs verdeckt die wahren Freuden und Hoffnungen der Männer von heute ebenso wie ihre Trauer und ihre Ängste. “ Gesundheit“ in einem ganzheitlichen Sinn kann sich nicht auf die Angebote der Gesundheitsindustrie beschränken. Fit sein ist das eine, heil sein im spirituellen Sinn das andere. Man kann vor den eigene Problemen auch davonjoggen.

Entscheidende Fragen
Männer müssen sich vermehrt den entscheidenden Fragen ihres Lebens
stellen:
- Was ist mir wirklich wichtig?
- Welche Werte gelten für mich in meinem Leben?
- Woran möchte ich mich orientieren und was sind meine wahren Ziele?

- Was kommt vor dem anderen?
- Was sind meine persönlichen Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte?

 

Das Leben ist kein Selbstbedienungsladen und schon gar nicht eine Einrichtung mit Glücksgarantie. Ebenso steht nirgends geschrieben, dass das Leben gerecht sei. Darum braucht es auch einen guten Umgang mit den Verletzungen, die das Leben mit sich bringt. Männer tendieren schnell dazu, das Leiden erklären oder reparieren zu wollen. Oft ist Wut dann nichts anderes als die ungelebte Trauer. Männer müssen sich spätestens Richtung Lebensmitte auch dem ungelebten Leben stellen und den eigenen Grenzen.

Rückzugsorte tun gut

Franz von Assisi hat alle Höhen und Tiefschläge eines Männerlebens fast exemplarisch durchlebt. Damit ihm das Feuer nicht ausgeht, hat er sich zwischendurch immer wieder in seine Einsiedeleien zurück gezogen, um ganz bei sich und bei Gott zu sein, um sich den brennenden Fragen zu stellen.

Solche “ Einsiedeleien“ könnten auch für Männer heute etwas Heilsames sein, solche Rückzugsorte würden ihnen auch heute gut tun. Männer rackern sich ab für alles, für den Beruf, die Familie, den Verein, das eigene Ansehen. Doch wer ständig nur fährt, dem geht irgendwann das Benzin aus. Wer immer nur gibt, wird irgendwann leer. Wer immer nur feuert, ist irgendwann verbrannt. Männer gehen oft sehr sorglos mit sich selber um. Was sie bräuchten, ist weniger Viagra, Hormone oder
Sportprogramme, sondern vielmehr Orte, an denen sie zu sich selber kommen.

Fahren und Tanken, Bewegung und Ruhe gehören zusammen. Wer ständig nur tankt ohne zu fahren, ist süchtig. Er säuft und säuft, sei es Bewunderung, Alkohol oder was immer. Und er kommt nicht vom Fleck. Wer ständig nur fährt ohne zu tanken, brennt aus, läuft leer und geht kaputt. Irgendwann macht der Motor, das Herz, nicht mehr mit. Die großen Tankstellen auf italienischen Autobahnen heißen “ area di servizio“ .
Hier wird nicht nur getankt, sondern sie sind da zum Ausruhen, Energie und Kraft holen. Hier kann man abladen und Dinge los werden, sich erfrischen und Nahrung zu sich nehmen. Bei der Gelegenheit kann man auch einen Blick auf die Landkarte werfen, sich neu orientieren, oder überhaupt sich wieder einmal fragen: Wohin will ich überhaupt? Sonst geht es einem wie Qualtingers “ Wilden mit seiner Maschin“ : “ Ich weiß zwar nicht, wohin ich will, dafür aber bin ich schneller dort.“

Auf sich selber schauen

Hier gilt es zuerst einmal Männer dahin zu bringen, dass sie besser auf sich selber schauen, dass sie sich um Ruhe und Erholung kümmern, dass sie sich Inseln im Alltag schaffen, wo sie für sich und bei sich sind, dass sie sich - wie im Sport - Auszeit nehmen. Eine Portion fröhliche Verweigerung am richtigen Ort könnte gerade für Männer ein Überlebensmittel sein.

Zunehmend mehr Männer genießen diese Inseln im Alltag, wo die sozialen und beruflichen Rollen, die alltäglichen Zwänge und der Konkurrenzkampf vor der Tür bleiben, Orte, wo quasi die Platzhirsche ihre Geweihe an den Zaun hängen können und zur Ruhe kommen.

Neue Kräfte schöpfen

Es gibt im Leben eines Mannes noch andere Werte als die Arbeit. Die Wiederentdeckung echter Muße könnte ein Gegengift sein. Sie schafft Abstand und Besinnung, gibt neue Visionen und Kraft zur Veränderung. Wer nicht genießt, wird bekanntlich selber ungenießbar. Vom Schriftsteller Milan Kundera stammt der schöne Satz: “ Wer Gott ins Fenster geschaut hat, langweilt sich nie.“ Was anderes ist Muße, als Gott ins Fenster zu schauen? Benedikts alte Formel “ Bete und arbeite“ könnte für uns heute lauten: Arbeite nicht nur, sondern schau zwischendurch auch Gott ins
Fenster! Der Mann lebt nicht vom Job allein.

Aktueller Buchtipp



Eremit, Zen-Christ, spiritueller Globetrotter: Anlässlich seines 90. Geburtstages am 12. Juli 2016 erzählt David Steindl-Rast seine Lebensgeschichte. Er suchte nach ungewöhnlichen Zugängen und spirituellen Wegen zu nichtchristlichen Religionen und widmete sich dem Dialog zwischen Christentum und Buddhismus. Seine Mission ist die Mystik. Er ist tief überzeugt davon, dass Gottes Geist in und aus jedem spricht.






Buchtipp: Richard Rohr

 
"Ganz da" ist eine Sammlung von kurzen Meditationen und Übungen. Sie laden uns ein, die Schönheit des Augenblicks in seiner wunderbaren Alltäglichkeit zu erfahren und darin zu verweilen. Richard Rohr leitet dazu an, die Räume unseres Herzens offen zu halten, damit der Verstand neue, bisher verborgene Gefühle wahrnehmen kann. Der Franziskanerpater Rohr ermutigt, die Kontemplation immer mehr zur Quelle unseres Lebens werden zu lassen. Sie ist die Grundlage für ein gesundes Selbstwertgefühl und für die Fähigkeit zu echtem Mitgefühl.



Tipp: Geheimnis und Gnade - Mystik


Was ist Mystik? Franziskanische Spiritualität - ein Weg für mich? Wie finde ich Zugang zur Kontemplation? Wie können speziell Männer ihrer Spiritualität entdecken? Und was hat die Bibel ganz konkret mit meinem Leben zu tun?

Richard Rohr ist einer der ganz großen spirituellen Lehrer unserer Zeit. Seine Bücher haben unzähligen Menschen zu innerer Heilung und spirituellem Wachstum verholfen. Dieses Buch versammelt die Themen des deutschstämmigen Franziskanerpaters, die ihm besonders am Herzen liegen: innere Verwandlung, die liebende Annahme unserer Schwächen und die befreiende Kraft der Botschaft Jesu.
Neben seinen wichtigsten und schönsten Texten finden sich hier auch frühe Aufsätze und Reden, die nichts an Aktualität verloren haben, sowie Autobiografisches und bisher unveröffentlichtes Material. Damit zeichnet dieses Buch ein ganz persönliches Bild eines großen Visionärs.



Bruder auf Zeit

 

Welcher Mann wünscht sich das nicht? Einmal für eine bestimmte Zeit lang ein "Bruder auf Zeit" in einem Kloster sein zu können. Nun gibt es ein Angebot genau dafür und zwar im Kapuziner Kloster Gauenstein in Vorarlberg bei Bruder Engelbert Bacher. Näheres dazu findest du beim Punkt "Männerorte" auf der linken Navigationsseite.

 



Richard Rohr - Living School

 

Infos zur "Living School of Action and Contemplation" von Richard Rohr
zur Info-Seite


Buchtipp: The devine dance and your transformation


Neuestes Buch von Richard Rohr.

Richard hat zum Thema Trinität wirklich etwas zu Sagen und dieses Buch verspricht nicht nur einen tiefen Einblick in eine Kernthematik des christlichen Glaubens, sondern auch die Verortung der eigenen Transformationsmöglichkeit exakt darin.

 


 

Buchtipp: Eager to Love - The alternive Way of Francis of Assisi

 


Ebenfalls 2016 erschienen - Eager to Love - The alternive Way of Francis of Assisi von Richard Rohr. Sehr lohnend, weil Richard Rohr hier ein wahrer Meister des Faches ist.

 

 

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