Mittwoch 20. September 2017


Der Vater in uns


Was bedeutet es für uns Männer heute "Vater zu sein"?

Sind wir wirklich blos die "Ernährer", die für ein ordentliches Haushaltseinkommen zuständig sind? Ist dies wirklich die einzige Kompetenz, welche uns heutzutage vor allem durch die Medien noch zugestanden wird? Jene Medien, die sich ereifern die Männer zunehmend schlechter abschneiden zu lassen und uns oft nur mehr auf die Schaufel nehmen um Quote zu machen?

Kann Vater sein für uns auch noch mehr sein? Vielleicht auch unser Leben großteils bestimmen, es mit den Kinderjahren reifen lassen und uns zu einem wesentlich tieferen, über unser eigenes Bestimmen hinausführenden Leben bringen?

Richard Rohr sagt, dass der Vater für die Kinder das Tor zur Welt darstellt.

Laßt uns daran arbeiten ein weites, mutspendendes und butes Tor zu werden, dass unsere Kinder in ein erfülltes Leben hinaustreten läßt.

Klaus

Vater sein


Väter, die ihr Rollenbild erweitert haben, beteiligen sich heute stärker an der Kindererziehung als früher. Hier dürfte auch das zunehmende Wissen um die Bedeutung des Vaters in der frühen Kindheit eine Rolle spielen. Die vom traditionellen Familienbild geprägte Wissenschaftstradition hat die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung des Kindes lange Zeit vernachlässigt (Steinhardt u.a. 2002, Walter 2002). Junge Väter wollen heute eine viel intensivere Beziehung zu ihren Kindern aufbauen und einen aktiven Part in der Erziehung übernehmen als frühere Väter. Allerdings beschränken auch sie sich eher auf die hedonistischen Tätigkeiten und meiden pflegerische Handlungen.

Freizeitaktivitäten wie spielen, spazieren gehen, Sport betreiben werden vorwiegend von Vätern ausgeübt. Den Frauen bleiben Versorgungstätigkeiten wie waschen, Kinder ins Bett bringen, kranke Kinder pflegen, zum Kinderarzt gehen, Elternsprechtage und Schulveranstaltungen besuchen und mit den Kindern beten (Zulehner 2003).

Auswirkungen der traditionellen Arbeitsteilung

Die traditionelle Arbeitsteilung in der Familie hat einen hohen Preis. Viele Männer leben zu Hause wie Fremdlinge, sind gedanklich abwesend und finden kaum Kontakt zu ihren Kindern. Sie müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie die Kinder zu wenig unterstützen, dass sie an ihren Problemen nicht Anteil nehmen, ihre Geburtstage vergessen und ihre Freunde nicht kennen. Gleichzeitig haben diese Väter ein schlechtes Gewissen, wenn sie bemerken, dass sie zu wenig von den Kindern mitbekommen und ihren Alltag nicht kennen. Oft haben sie das Gefühl, die Entwicklung der Kinder zu verpassen. Viele Väter sind in der Beziehung zu ihren Kindern verunsichert und wissen nicht, wie sie den Kontakt mit ihren Kindern gestalten sollen. Zum konkreten Vatersein gehört nicht nur, Normen zu setzen und zu fordern, sondern die Kinder auch zu fördern, ihnen fürsorglich-nährend zu begegnen und ihnen Orientierung zu vermitteln. Damit die Kinder ihr Potential entfalten können, ist es wichtig, sie zu unterstützen, zu ermutigen, ihnen Schutz und Fürsorge anzubieten, aber auch sich mit ihnen zu reiben, ihnen Grenzen zu setzen und Orientierung zu geben. Viele Väter entziehen den Kindern eine wichtige Entwicklungschance, indem sie sich aus Schuldgefühlen heraus einseitig auf die fürsorgliche Rolle beschränken.

Meist sind es nicht äußere Bedingungen und Anforderungen, sondern "innere Antreiber", die dafür sorgen, dass der Mann es nicht schafft, den Raum für sein Privatleben zu schützen. Wenn er keine Rücksicht auf sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse nimmt, nimmt er  auch keine Rücksicht mehr auf die Bedürfnisse der ihm nahe stehenden Menschen.

Qualität der Beziehung

Wie kann sich der Mann seelisch auf die Welt der Kinder einlassen? Dabei ist nicht die Menge der Zeit entscheidend, sondern wie sie genutzt wird. Viele Männer fühlen sich in der Familie wohl und bezeichnen sich als Familienmenschen, weil sie sich gern von der Familie umgeben fühlen. Die Kinder allerdings nehmen den Vater oft gar nicht wahr. Es kommt nicht wirklich zu einer Begegnung. Viele Männer sagen, sie müssen, um abschalten zu können, sich zurückziehen und entspannen.

Andere Männer hingegen regenerieren sich am besten, wenn sie sich zu Hause auf das Spiel mit den Kindern einlassen. Daraus schöpfen sie neue Kraft und können den beruflichen Alltag hinter sich lassen. Ein lebendiger Kontakt zu den Kindern kann sogar zu einer Art "Energierecycling" (Jellouschek 1996, S.119) führen.
Die qualitative Präsenz des Mannes als Vater ist für Buben und Mädchen von unterschiedlicher Bedeutung. Für die Tochter repräsentiert der Vater als erster Mann das andere Geschlecht. Die Tochter erlebt sich attraktiv und liebenswert und kann Selbstbewusstsein entwickeln, wenn sich ihr der Vater liebevoll zuwendet.

Für den Sohn ist der Vater das erste männliche Leitbild. Wenn der Vater abwesend ist oder es dem Vater nicht gelingt, eine tragfähige Beziehung zum Sohn herzustellen, kann es sein, dass die Beziehung zur Mutter zu eng wird und der Sohn später Probleme hat, ein Leben als eigenständiger Mann zu führen. Männer, die Muttersöhne waren, haben eine große Sehnsucht nach ihren Vätern und wünschen sich, von ihnen berührt und anerkannt zu werden. Es gibt viele Dinge, durch die gerade ein Mann das Herz eines Jungen erobern kann, zB Spiel, Sport, Kräftemessen usw. Wichtig ist, dass die Söhne den Vater spüren können, und der Vater den Bereich der Zärtlichkeit und des Körperkontakts nicht allein der Mutter überlässt. Am Körper des Vaters vergewissern sich Jungen auf eine liebevolle und kraftvolle Weise ihrer eigenen männlichen Körperlichkeit. Auch junge Erwachsene, die keine gute Beziehung zum Vater haben, haben oft noch eine tiefe Sehnsucht nach Versöhnung mit dem Vater.

Vom "Arbeitsmann" zum ganzen Menschen

Die Entwicklung von echter Väterlichkeit ist eine große Herausforderung und ein spezifischer Reifungsschritt zum vollen Mann-Sein: vom "Arbeitsmann" zum ganzen Menschen. Sie ist eine charakteristische Entwicklungsaufgabe in der Lebensphase zwischen dem jungen Erwachsenenalter und der Lebensmitte.

Die kindbezogene Motivation, eine intensive Vater-Kind-Beziehung aufzubauen, scheint gegenüber der partnerbezogenen Motivation einer gleichberechtigten Aufteilung der elterlichen Versorgungsarbeit vorrangig zu sein. Auf die Entscheidung zur Karenz dürfte auch das eigene Erleben eines engagierten Vaters in der Kindheit entscheidenden Einfluss haben. Neben dem Anspruch, eine partnerschaftliche Beziehung zu führen, beeinflussen auch die Forderungen der Partnerinnen sowie die Unzufriedenheit im Beruf die Entscheidung für eine Karenz (Gräfinger 2001). Durch das erhöhte familiäre Engagement wird die Fixierung des Kindes auf die Mutter abgeschwächt, und der Vater wird zur gleichwertigen Bezugsperson für das Kind. Das dadurch entstehende Vertrauensverhältnis und die Bindungsqualität zwischen Vater und Kind gehört für Väter zur wertvollsten Erfahrung während der Karenzzeit.

Andererseits wird die Haus- und Familienarbeit zum Teil anstrengender erlebt als die Erwerbstätigkeit außer Haus. Der eingeschränkte Aktionsradius und die dadurch entstehende soziale Isolation wird von den Männern als einschneidende Veränderung erlebt. Durch das bessere Verständnis für die Belastung durch Haus- und Familienarbeit kommt es vielfach zu einer Aufwertung derselben durch die Männer. "Durch die Erwerbsunterbrechung haben diese Männer erfahren, was es heißt, 24 Stunden am Tag für ein Kind zu sorgen, den Haushalt zu führen, Einkäufe zu erledigen, Arztbesuche zu organisieren, kurz die gesamte häusliche Koordination einer Familie zu übernehmen"  (Gräfinger 2001, S.133). Es entsteht auch ein neues Verständnis für die Belastung berufstätiger Mütter, die sich neben dem Beruf auch um Haushalt und Kinder kümmern müssen.

Insgesamt kann gesagt werden, dass die aktive Vaterrolle im Sinne einer engagierten Verantwortungsübernahme für Kinderbetreuung und -erziehung in das Bild von Männlichkeit heute schon stärker integriert ist als die Zuständigkeit für die als weiblich konnotierte Hausarbeit (vgl. Peinelt-Jordan 1996, Gräfinger 2001). Eine Erwerbsunterbrechung zugunsten der Familienbetreuung in Kauf zu nehmen und sich auch für Haushaltsarbeit zuständig zu erklären, bleibt immer noch eine große Herausforderung für Männer. Hier ist noch viel Arbeit zur Überwindung der geschlechtsspezifischen Stereotype zu leisten.

Mit freundlicher Genehmigung der  Männerberatung des Landes Oberösterreich
Link zur Webseite der MB OÖ

Richard Rohr - Living School

 

Infos zur "Living School of Action and Contemplation" von Richard Rohr
zur Info-Seite


Buchtipp: The devine dance and your transformation


Neuestes Buch von Richard Rohr.

Richard hat zum Thema Trinität wirklich etwas zu Sagen und dieses Buch verspricht nicht nur einen tiefen Einblick in eine Kernthematik des christlichen Glaubens, sondern auch die Verortung der eigenen Transformationsmöglichkeit exakt darin.

 


 

Buchtipp: Eager to Love - The alternive Way of Francis of Assisi

 


Ebenfalls 2016 erschienen - Eager to Love - The alternive Way of Francis of Assisi von Richard Rohr. Sehr lohnend, weil Richard Rohr hier ein wahrer Meister des Faches ist.

 

 

Aktueller Buchtipp



Eremit, Zen-Christ, spiritueller Globetrotter: Anlässlich seines 90. Geburtstages am 12. Juli 2016 erzählt David Steindl-Rast seine Lebensgeschichte. Er suchte nach ungewöhnlichen Zugängen und spirituellen Wegen zu nichtchristlichen Religionen und widmete sich dem Dialog zwischen Christentum und Buddhismus. Seine Mission ist die Mystik. Er ist tief überzeugt davon, dass Gottes Geist in und aus jedem spricht.






Buchtipp - Adams Wiederkehr

 

Was ist wahre Männlichkeit? Was bedeutet es, wirklich Mann zu sein? Wie finden Männer zu einer kraftvollen und doch sensiblen Männlichkeit? Wie erfahren sie sich im Einklang mit sich selbst, der Welt und Gott? Richard Rohrs Antworten sind aus seiner jahrelangen intensiven Beschäftigung mit Initiation und Übergangsriten erwachsen. Eindrucksvoll schildert er, warum gerade in heutigen westlichen Gesellschaften eine zeitgemäße Form der Männerinitiation notwendig ist. Aus alten Traditionen entwickelt Richard Rohr einen Erfahrungsweg, durch dessen intensives Erleben Männer wieder zu sich selbst, zu ihrer ureigenen spirituellen Kraft und einer gereiften Rolle als Partner, Vater und Mitglied in Kirche und Gesellschaft finden können praktisch, nachvollziehbar und befreiend. Der Titel erschien ursprünglich unter "Endlich Mann werden".
Infos zum Buch

 

Neue CD: Adams Wiederkehr

 

Eine CD der maennerpfade.de

mit Richard Rohr und Andreas Ebert.

Beziehbar über maennerpfade.de
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Das bewegt die Männer der ARGE mannsein.at


Viele, die diese Seite besuchen und sich für die MÄNNER-INITIATION nach Richard Rohr interessieren, fragen sich vieleicht: "Was bewegt diese Männer sich für die MÄNNER-INITIATION einzusetzen?

Zu den Statements


 

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