Montag 24. April 2017


Gedanken und Zitate zum Thema Initiation

 

Menschen werden zweimal geboren: Die physische Geburt wird uns quasi in den Schoß gelegt. Aber es braucht eine zweite Geburt, eine transformative oder erleuchtende Erfahrung, um wirklich unser Wesen zu entfalten. Und die kann in einer Initiation geschechen, in der wir uns alleine, ungeschützt und fastend in die Natur begeben und dort dem Göttlichen begegnen.

Richard Rohr OFM


In der Einsamkeit erhöht sich die Chance zu erkennen, was in unserem Leben wirklich wichtig ist. Wir bekommen Klarheit über unsere wirklichen Werte und das, was uns tatsächlich ruft. Diese Klarheit kann Wandlung anstoßen. Wir kehren nach Hause zurück und legen den Fokus auf das wirklich Wichtige – und das kann zu enormen Wandel führen. Außerdem hilft ein Übergangsritus unserer Psyche dabei anzuerkennen, dass ein neuer Lebensabschnitt begonnen hat.“

 

Stephen Foster

 


„Ein Übergangsritual ist eine ganzkörperliche Erfahrung die uns, oft ohne die mühsame Aufarbeitung und Veränderung unserer traumatischen Wunden, bewusst oder unbewusst zu einer neuen Wahrnehmung des Lebens führt.“

Meredith Little

 

„Die Erfahrung der Initiation war der Kern all dessen, was ich heute bin, das Herzstück der Transformation, die ich heute in meinem Leben zum Ausdruck bringe. Warum mich diese Erfahrung so veränderte, kann ich beschreiben, indem ich über den paradigmenwechsel vom klosterleben zum Dorfleben spreche. Im Kloster war ich mit einem Weltbild konfrontiert, dass zutiefst europäisch war. Ich habe mich im Kloster unwohl dabei gefühlt, zu Menschen zu gehören, die ein Weltbild besaßen, das für mich keine Glaubwürdigkeit besaß. Das war sehr bedrohlich und führte zu einer tiefen Identitätskriese. Die Initiation zeigte mir wie in einem Film all die Dinge, die von diesem Weltbild übersehen werden. Und während ich durch diese Erfahrung ging und dabei Angst, Schmerz und widrige Bedingungen aushalten musste, wurde mir plötzlich klar, dass es sich dabei um eine Tür in andere Bewusstseins räume handelte, die in der modernen Sprache des Westens noch nie beschrieben worden waren. Was ich da erlebte, ließ mich erkennen, dass ich genau das wollte. Da War die Nahrung, nach der meine Seele hungerte. Nach der Intensität der Erfahrung und all dem, was sich darin gezeigt hatte, war ich nicht mehr in der Lage, in ein normales Leben zurückzukehren. Stellen Sie sich vor, Sie schauen einen Film an, der sie so fasziniert, dass Sie die ganze Zeit angespannt vorn auf der Sesselkante herumrutschen. Dann brauchen Sie einige Zeit um sich davon wieder zu erholen. Ich erhole mich immer noch von dem film, der da ablief. und ich habe den Eindruck, dass diese Erholung mein ganzes Leben dauern wird. Und je mehr ich mich damit beschäftige, desto aufregender wird es. Denn ich begreife mehr und mehr, dass es sich dabei um wunderbare Werkzeuge handelt – nicht nur für Afrikaner, sondern auch für die Menschen im Westen, die bereit sind, sich auf andere Erfahrungen der Realität einzulassen, um zu lernen und zu wachsen.  

Ein Anthropologe hat genau das, was ich bei der Initiation gelernt habe, so ausgedrückt: es braucht die Trennung vom gewohnten und die Erfahrung einer Prüfung, um der Psyche und der Seele die Möglichkeit zur Transformation zu geben.
Am Ende der Prüfung kehren die Initianden in die Gemeinschaft zurück, die sie feiert und die Integration vollständig macht. Ich erinnere mich daran, dass sich die Initiationsprüfung so anfühlte, als ginge ich in den Tod. Und das ist auch die Absicht des ganzen: es ist tatsächlich so, dass man sterben muss, um jemand anders zu werden. Im Leben einer jeden Person gibt es einen Zeitpunkt, an dem man einen kleinen Tod zulassen muss. Bei der Initiation ist das der wichtigste Teil: Wenn ein junge zum Teenager wird, dann ist es notwendig, dass der Junge stirbt, um zum Erwachsenen zu werden. Um diesen symbolischen Tod erfahrbar zu machen ist es unumgänglich, dass er von allem, was ihm vertraut ist, getrennt wird. ich bin mir sicher, dass in mir kein wandel stattgefunden hätte, wenn ich bei meiner Familie geblieben wäre. eine Initiation, die auf eine Trennung von gewohntem verzichtet, mag zwar so bezeichnet werden, aber sie erfüllt nicht den eigentlichen Zweck.“


Malidoma Some

 
 

„Die Initiation gehört zu jeder authentischen menschlichen Existenz, und zwar aus zwei Gründen: Einerseits weil jedes authentische menschliche Leben Krisen des unbewussten einschließt, Prüfungen, Ängste, Verlust und Wiedergewinn des Selbst, Tod und Auferstehung; Andererseits, weil jede Existenz, welche Erfüllung sie auch erreicht haben mag, sich in einem bestimmten Augenblick als fehlgeschlagene Existenz erweist. Es handelt sich nicht um ein moralisches Urteil, das man über seine Vergangenheit fällt, sondern um das dumpfe Gefühl, seine Berufung verfehlt, das Beste seiner selbst verraten zu haben. In solchen Augenblicken der totalen Krise scheint es nur eine erlösende Hoffnung zu geben: Sein Leben von neuem zu beginnen. Das heißt, kurz gesagt, man träumt von einem erneuerten, erfüllten und sinnvollen Dasein. Was man in diesen Momenten der totalen Krise erträumt und erhofft, ist die Erlangung einer endgültigen und totalen Erneuerung, einer Renovatio, die die Existenz zu verwandeln mag. Zu einer solchen Renovatio führt jede authentische religiöse Bekehrung.
Aber die authentischen und endgültigen Bekehrungen sind in den modernen Gesellschaften recht selten. Um so bezeichnender scheint die Tatsache zu sein, dass sogar religionslose Menschen in der Tiefe ihres Seins den Wunsch nach dieser geistigen Verwandlung verspüren, die in anderen Kulturen das Ziel der Initiation schlechthin bildet. Es ist nicht unsere Aufgabe zu entscheiden, in welchem Maß die traditionellen Initiationen ihre Versprechungen eingelöst haben. Wichtig ist, dass sie diese Absicht verkündeten und die Macht für sich in Anspruch nahmen, die menschliche Existenz zu verwandeln. Die Sehnsucht nach einer Renovatio in der Initiation, die sporadisch aus den tiefen des religionslosen modernen Menschen aufsteigt, erscheint uns deshalb höchst bedeutsam: Sie wäre der moderne Ausdruck der ewigen Sehnsucht des Menschen, einen positiven Sinn für den Tod zu finden, den Tod als einen Ritus des Übergangs zu einer höheren Seins weise zu akzeptieren. Wenn man sagen kann, dass die Initiation eine spezifische Dimension der menschlichen Existenz bildet, so vor allem deshalb, weil allein die Initiation dem Tod eine positive Funktion verleiht: Nämlich die, die rein geistige neue Geburt vorzubereiten, den Zugang zu einer Seins weise, die der verheerenden Wirkung der Zeit entzogen ist.“


Mircea Eliade

 

Du siehst, ich will viel

Du siehst, ich will viel.
Vielleicht will ich Alles:
das Dunkel jedes unendlichen Falles
und jedes Steigens lichtzitterndes Spiel.

Es leben so viele und wollen nichts,
und sind durch ihres leichten Gerichts
glatte Gefühle gefürstet.

Aber du freust dich jedes Gesichts,
das dient und dürstet.

Du freust dich Aller, die dich gebrauchen
wie ein Gerät.

Noch bist du nicht kalt, und es ist nicht zu spät,
in deine werdenden Tiefen zu tauchen,
wo sich das Leben ruhig verrät.

Rainer Maria Rilke, 22.9.1899, Berlin-Schmargendorf


 

Literaturangaben:

Mircea Eliade
Das Mysterium der Wiedergeburt
Versuch über einige Initiationstypen
Insel 1958

Stphen Foster, Meredith Little
Visionssuche
Das Raunen des heiligen Flusses
Sinnsuche und Selbstfindung in der Wildnis
Arun 1989

Malidoma Some
Vom Geist Afrikas
Das Leben eines Afrikanischen Schamanen
Diederichs gelbe Reihe 1994




Richard Rohr - Living School

 

Infos zur "Living School of Action and Contemplation" von Richard Rohr
zur Info-Seite


Buchtipp: The devine dance and your transformation


Neuestes Buch von Richard Rohr.

Richard hat zum Thema Trinität wirklich etwas zu Sagen und dieses Buch verspricht nicht nur einen tiefen Einblick in eine Kernthematik des christlichen Glaubens, sondern auch die Verortung der eigenen Transformationsmöglichkeit exakt darin.

 


 

Buchtipp: Eager to Love - The alternive Way of Francis of Assisi

 


Ebenfalls 2016 erschienen - Eager to Love - The alternive Way of Francis of Assisi von Richard Rohr. Sehr lohnend, weil Richard Rohr hier ein wahrer Meister des Faches ist.

 

 

Aktueller Buchtipp



Eremit, Zen-Christ, spiritueller Globetrotter: Anlässlich seines 90. Geburtstages am 12. Juli 2016 erzählt David Steindl-Rast seine Lebensgeschichte. Er suchte nach ungewöhnlichen Zugängen und spirituellen Wegen zu nichtchristlichen Religionen und widmete sich dem Dialog zwischen Christentum und Buddhismus. Seine Mission ist die Mystik. Er ist tief überzeugt davon, dass Gottes Geist in und aus jedem spricht.






Buchtipp - Adams Wiederkehr

 

Was ist wahre Männlichkeit? Was bedeutet es, wirklich Mann zu sein? Wie finden Männer zu einer kraftvollen und doch sensiblen Männlichkeit? Wie erfahren sie sich im Einklang mit sich selbst, der Welt und Gott? Richard Rohrs Antworten sind aus seiner jahrelangen intensiven Beschäftigung mit Initiation und Übergangsriten erwachsen. Eindrucksvoll schildert er, warum gerade in heutigen westlichen Gesellschaften eine zeitgemäße Form der Männerinitiation notwendig ist. Aus alten Traditionen entwickelt Richard Rohr einen Erfahrungsweg, durch dessen intensives Erleben Männer wieder zu sich selbst, zu ihrer ureigenen spirituellen Kraft und einer gereiften Rolle als Partner, Vater und Mitglied in Kirche und Gesellschaft finden können praktisch, nachvollziehbar und befreiend. Der Titel erschien ursprünglich unter "Endlich Mann werden".
Infos zum Buch

 

Neue CD: Adams Wiederkehr

 

Eine CD der maennerpfade.de

mit Richard Rohr und Andreas Ebert.

Beziehbar über maennerpfade.de
Infos Download


Das bewegt die Männer der ARGE mannsein.at


Viele, die diese Seite besuchen und sich für die MÄNNER-INITIATION nach Richard Rohr interessieren, fragen sich vieleicht: "Was bewegt diese Männer sich für die MÄNNER-INITIATION einzusetzen?

Zu den Statements


 

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